Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>

Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße</p>

Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße

<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>

Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>

Jenny Holzer Edition entsteht

Robert Lucander

Einzelblätter

E 452
E 453

E 452
Denkerin, 2009
Kombinationsdruck (Holzstock und vier Lithographie-Steine) 63,5 x 48,0 cm

E 453
Koivn, 2009
Kombinationsdruck (Holzstock und vier Lithographie-Steine) 63,5 x 48,0 cm

Papierqualität: Alt Kleve 225 g/qm
Drucker: Tabor-Presse, Berlin

Den in Berlin lebenden finnischen Künstler Robert Lucander haben wir im Herbst 2006 mit einer Wahlreihe vorgestellt. Wir freuen uns, ergänzend zu der Serie, nun zwei großformatige Blätter von ihm anbieten zu können. Robert Lucander ist ein passionierter Sammler von alltäglichem Bildmaterial in Form von Zeitschriftentiteln, Filmstills und Plattencovern. Mitte der 1990er Jahre wird er international bekannt für seine durch die mehr oder weniger glamourösen Vorbilder seiner Sammlung inspirierten, auf Holzplatten gemalten Bilder, überwiegend Porträts. Die Beschaffenheit des Holzes, seine Maserungen und Astlöcher, übernimmt dabei Teile der Zeichnung bzw. Malerei. Sie verleiht den Arbeiten eine originelle Eigenwilligkeit und räumliche Tiefe.
Mit der Kombination aus Holz- und Steindruck hat Robert Lucander die ideale Technik gefunden, seine Arbeitsweise ohne jeden Verlust ins Druckgraphische zu übertragen. Er druckt die gewünschte Struktur in einem hellen, natürlichen Farbton direkt von den zum Teil mit Aussparungen versehenen Holzplatten und dazu alle weiteren Farben und Formen im Steindruck. Auf einem der beiden vorliegenden Drucke ist dabei gekonnt ein Farbverlauf eingesetzt, so dass mit nur zwei Lithographiesteinen hier eine erstaunliche Vielfarbigkeit erreicht wurde. Das Blatt „Denkerin“ zeigt ein junges Mädchen, das auf einem einfachen Holzstuhl sitzt, einem Küchenstuhl, wie der gekachelte Boden nahelegt, und das Kinn in die linke Hand stützt. Von ihrem Gesicht sieht man nur die Augen, alles andere ist nicht ausformuliert. Überall dort, wo keine anderen Farben aufgesetzt sind, in der Figur genauso wie im Hintergrund des Bildes, gerät die Maserung zum Bildmotiv. In Kombination mit der Haltung des Kindes ergibt sich so ein melancholischer, gedankenverlorener Ausdruck.
Auf dem zweiten Druck sieht man eine junge Frau in einem durch den Farbverlauf mit großer Liebe zum Detail umgesetzten Norwegerpullover, die einen Baumstamm im Arm hält. Sie scheint vor Energie nur so zu strotzten. Aus derselben Kombinationstechnik resultiert hier eine gänzlich andere Anmutung. Wie in seinen Gemälden führt Robert Lucander auch in seinen druckgraphischen Arbeiten die vorgefundenen Holzstrukturen sensibel und jenseits von Effektehascherei mit eigenen Bildfindungen zusammen.

C-REIHE, 324. Wahl, IV. Quartal 2006
Kombinationsdrucke Holzschnitt und Lithographie

1. Miese Ratte 65,0 x 47,0 cm (drei Farben)
2. Q-Kelter ist Kult 65,0 x 47,0 cm (drei Farben)
3. Kadso 1 65,0 x 47,0 cm (drei Farben, ein Druckgang als Irisdruck Blau/Rot)
4. Kadso 2 65,0 x 47,0 cm (drei Farben, ein Druckgang als Irisdruck Blau/Rot)
5. Gefährliches Doppelspiel 1 65,0 x 47,0 cm (drei Farben)
6. Gefährliches Doppelspiel 2 65,0 x 47,0 cm (drei Farben)

Papierqualität: Zerkall Bütten 225 g/qm
Drucker: Tabor-Presse, Berlin

Seit Mitte der 1990er Jahre ist Robert Lucander international bekannt für seine Bilder auf großen Holztafeln, die in scherenschnittartigen Umrissen und schriller, plakativer Farbigkeit lachende Partymenschen und Personen des öffentlichen Lebens zeigen. Seine Motive und Titel findet der in Helsinki geborene, seit gut 15 Jahren in Berlin lebende Künstler in Zeitschriften, Magazinen, Groschenromanen, Büchern oder auf Plattencovern. Neuerdings verwendet er auch eigene photographische Schnappschüsse, die meist von Absurditäten des Alltags erzählen. Humorvoll entlarvt er mittels der Fokussierung auf Gesten und Mimik die Doppelbödigkeit medialen und gesellschaftlichen Terrains. Indem er die Personen seiner Vorlagen ohne Raum, Hintergrund und Bezugskontext agieren lässt, gerinnt das Moment der Kommunikation jedoch zur leeren Hülle, Sehnsüchte und Erwartungshaltungen scheinen im luftleeren Raum zu verpuffen. Mit dem banalen Ausgangsmaterial und seinen mitunter an filmische Montagen erinnernden Bildern unternimmt Robert Lucander Reisen in die Welt der Psychologie. Vergleichbar der Dramaturgie eines David Lynch, der stets zunächst schöne glatte Oberflächen präsentiert, um den Betrachter umso tiefer durch deren Risse in unentwirrbare Schatten und Doppelwelten blicken zu lassen, konfrontiert der Künstler seine Protagonisten gerne mit sich selbst.
Robert Lucander bearbeitet seine Holztafeln explizit unmalerisch, die Figuren werden durch Bleistiftschraffuren und Zeichnungslinien angedeutet, bildnerische Tiefe entsteht durch den gekonnten Einbezug der Holzmaserung. Der Farbauftrag ist auf kontrastreiche Setzungen in Lack beschränkt. Der Künstler arbeitet stets an der Grenze, an der Malerei aufhört Malerei zu sein, ja er widersetzt sich all ihren Traditionen, indem er untypische Techniken verwendet und jeglichen authentischen Erzählfluss ad absurdum führt. Stets die Balance haltend zwischen maleri- schem Anliegen und gesellschaftsrelevanten Aussagen besetzt Robert Lucander innerhalb der zeitgenössischen Kunstlandschaft eine singuläre Position. Sie zeichnet sich durch Witz und Originalität aus und begibt sich auf die Suche nach der Grenze zwischen Schein und Wirklichkeit, Lüge und Wahrheit.
Beate Ermacora

Den „Materialmix“ seiner Malerei auf Holz übersetzt Robert Lucander in seiner Edition für die griffelkunst durch Kombinationsdrucke von Holz und Stein. Von ihm ausgesuchte und gezielt mit weißen Aussparungen versehene Sperrholzplatten bilden dabei den Druckstock für einen einfarbigen Holzschnitt, auf den in einem zweiten und dritten Arbeitsgang Zeichnung und Flächen als Lithographie gedruckt werden. Wie in seiner Malerei ist die Maserung des Holzes Bestandteil des Bildes und auch die Farbigkeit ist ebenso kräftig wie klar umrissen. All das verleiht den Drucken eine plakative, zum Teil an Werke der Pop-Art erinnernde Ästhetik, die im selben Moment durch subtil verzerrte Spiegelungseffekte inhaltlich gebrochen wird. Die in der Regel am Bildrand angeschnittenen Porträts scheinen dabei an einer imaginären horizontalen oder diagonalen Linie gespiegelt zu sein, ohne je- doch illusionistisch exakt wiedergegeben zu werden. Bei den beiden Irisdrucken Kadso 1 und Kadso 2 ergibt sich die Spiegelung durch ein Zusammenlegen der Motive.
Die seitenverkehrte Wiederholung betont nicht nur die Oberflächlichkeit der nach Vorlagen übernommenen, medialen Selbstinszenierungen, sondern erzeugt gleichzeitig zahlreiche Momente des Zweifels: Ist es überhaupt dieselbe Person, die gezeigt wird, oder ist es ihr Doppelgänger, ihr Zwilling? Ist sie im Spiegel zu sehen oder handelt es sich um die Darstellung von Bewegung? Und: Wer sagt da eigentlich zu wem „miese Ratte“? – Durch die Spiegelung wird der Betrachter als Dritter, als Zeuge unmittelbar in die Handlung mit einbezogen, was der ebenfalls spiegelverkehrt gesetzte Schriftzug in dem genannten Motiv besonders deutlich macht. Vor seinen Augen und gewissermaßen unter seiner Beteiligung löst sich die sicher geglaubte Identität des abgebildeten Gegenübers in abgründige Verunsicherung auf.

324 C1
324 C2
324 C3
324 C4
324 C5
324 C6

Robert Lucander

1962 geboren in Helsinki, Finnland

 

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