Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>

Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis

<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>

Jenny Holzer Edition entsteht

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014

<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>

Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

Axel Loytved

A-Reihe / 356. Wahl IV. Quartal 2014
Stempel, jeweils im Karton, mit bedrucktem Tape umklebt
19,5 x 14,0 x 6,0 cm

What a Day
1. 21.08.
2. 29.09.
3. 20.10.
4. 21.11.

Verpackung und Versand sind Teil des künstlerischen Konzeptes. Die Stempel werden daher einzeln verpackt und direkt an die Mitglieder versandt.
Stempel: Stempel-Toenges GmbH, Lünen
Karton: Norddeutsche Pappscheiben-Fabrik, Braak
Tape: LOGO tape, Harrislee

Form Follows Non-Fiction

von Britta Peters

Axel Loytveds skulpturale Arbeiten verbindet das offenkundige Interesse des Künstlers an einer »Migration der Form«, um einmal diese durch das Denken des genialischen Kulturwissenschaftlers Aby Warburg geprägte Formulierung zu bemühen. In Hosentaschen entstandene Papiertaschentücher-Zusammenballungen dienen ihm als Vorlagen für kleine Bronzeskulpturen, genauso wie die matschigen Schneeklumpen, die sich im Winter an den Fahrzeugen bilden. Es geht um die zufällige oder zwangsläufige Veränderung von Zuständen – von Papier in Pappmaché, von Matsch in Edelmetall – und die Frage, wie sich die vorangegangenen Prozesse in den Objekten abbilden. Manchmal fordert der 32-Jährige die fremden Wirkmächte auch aktiv heraus: Dann definieren Sprengungen Tonobjekte, und Skulpturen finden ihre endgültige Gestalt, wenn sie unter dem Gewicht einer auf Karton applizierten Steinoberfläche in die Knie gehen.
Für die griffelkunst hat der in Hamburg lebende Künstler nun unter dem Titel What a Day eine Stempel-Edition entworfen, deren Motive auf verwaschenen Stempelabdrücken basieren. Auch darin vollzieht sich – im Fachjargon des Eiskunstlaufs – mindestens ein »Dreifacher Rittberger«.

1. Ein Stempel auf dem Handrücken belegt auf Veranstaltungen die Zugehörigkeit zum Publikum. Wer ihn vorweisen kann, darf teilnehmen. Auch die Auflagen der griffelkunst sind bekanntlich nur von Mitgliedern zu erwerben. Im Objekt des Stempels verdichten sich sowohl der Prozess des manuellen Druckens als auch das Interesse der Vereinigung, ihr Editionsspektrum auf Vervielfältigungstechniken aller Art auszuweiten. In diesem Fall ist es der Druckstock selbst, der zum Multiple wird. Nicht zuletzt findet sich in der Idee auch das notwendige Maß an Bürokratie humorvoll aufgenommen, welches die Vergabe der Griffelkunst-Editionen erfordert: In einem mit bedruckter Banderole versehenen Karton werden die Stempel etikettiert, frankiert und direkt an die Mitglieder verschickt.

2. Verschiedene Stempelabdrücke auf der Haut des Künstlers, deren Zellmuster den Farbauftrag bereits ein erstes Mal verunklärte, bevor Händewaschen und Abreibung ihr Übriges taten, wurden von Loytved abphotographiert und in vektorisierte Graphiken verwandelt. Die abstrakten Fleckenformationen geben kaum noch Informationen über ihre ursprüngliche Form preis. Ein Prozess fortwährender Abstraktion von der »Eindruckserbmasse« – auch das eine sehr schöne Warburg’sche Wortschöpfung –, der sich gedanklich ins Unendliche fortsetzen lässt: Drucke von diesen Stempeln erhalten neue Strukturen, Elemente können wegbröckeln oder hinzukommen. Gleichzeitig werden die abstrakten Motive als Stempel direkt an ihren Entstehungskontext rückgekoppelt.

3. Der Titel What a Day suggeriert die Erinnerung an einen Tag oder besser einen Abend im Leben des Künstlers. Sein Datum liefert auch die Beschriftung des Holzstempels, allerdings ohne Jahreszahl. Der Hinweis auf die jährliche Wiederkehr des gleichen Datums katapultiert das Spannungsverhältnis zwischen konkret und abstrakt endgültig auf die metaphysische Ebene, in das Reich von Zeit, Vergänglichkeit, Wiederholung und Zufall. Und auch diese Spirale lässt sich weiterspinnen: Jeder Stempel ist bereits einmal benutzt, die Edition besitzt explizit Anwendungspotential. Schlussendlich kann sich so zwischen zwei Ereignissen, die im Kern nichts miteinander zu tun haben, zwischen dem von Loytved am 21.11. besuchten Konzert und der Hochzeitsparty eines Griffelkunst-Mitglieds, bei der der Stempel als Einlassnachweis dient, eine wundersame »Willkürverknüpfung« ergeben – um ein letztes Mal Warburg zu zitieren, der sich hier in ungewohntem Zusammenhang als dankbarer Stichwortgeber erweist.

Vgl. Martin Treml, Sigrid Weigel und Perdita Ladwig (Hrsg.), Aby Warburg: Werke in einem Band, Berlin 2010

356 A1
356 A2
356 A3
356 A4

Axel Loytved

1982 geboren in Bad Mergentheim

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