Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte</p>

Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte

<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>

Jenny Holzer Edition entsteht

<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>

Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

Cyrill Lachauer

C-Reihe / 361. Wahl I. Quartal 2016
Heliogravüren
49,0 x 39,2 cm / 46,0 x 36,0 cm

-3,54 m.u.NHN. bis 2962 m.ü.NHN.
1. Nauendorf-Sachsenbande -3,54 m.u.NHN.
2. Wilseder Berg 169,2 m.ü.NHN.
3. Brocken 1141,2 m.ü.NHN.
4. Fichtelberg 1214,79 m.ü.NHN.
5. Großer Arber 1455,5 m.ü.NHN.
6. Zugspitze 2962 m.ü.NHN.

Papierqualität: 300 g/qm Zerkall Bütten Alt Mainz
Drucker: Kunst- und Radierwerkstatt W. Jesse, Inh. M. und E. Jäger, Berlin

Nach der Vermessung der Welt

von Stephanie Bunk

Cyrill Lachauer ist Künstler, hat aber auch eine wissenschaftliche Ausbildung als Ethnologe absolviert. Er untersucht die impliziten Erzählungen von Landschaften, Orten und Räumen und setzt dafür diverse Mittel ein – Film, Photographie, Text, Installation und Klang. Der Künstler thematisiert mit seiner Arbeit die Erfassung und Vermessung der Welt, die aufs Engste mit ihrer kolonialen Eroberung und Ausbeutung verbunden ist. Dabei macht er einerseits den historischen Prozess der Aneignung sichtbar, indem er ihn wiederholt und aktualisiert. Andererseits erprobt er auf Reisen eigene, subjektive Weisen der Annäherung an das vermeintlich Fremde und hinterfragt Strategien der Repräsentation. Für den aktuellen Werkkomplex Full Service hat Lachauer zwei Jahre im Mittleren Westen der USA verbracht und sich in dem heutigen Amerika auf die Suche nach den Spuren einer kolonialgeschichtlich bedeutsamen indianischen Widerstandsbewegung begeben.

In seiner Edition für die griffelkunst nimmt Cyrill Lachauer eine topographische Erfassung Deutschlands vor, indem er zu sechs Orten von Nord nach Süd reist und dabei der kontinuierlichen Erhebung der Landschaft folgt: angefangen am niedrigsten Punkt in Nauendorf-Sachsenbande mit -3,54 m.u.NHN, weiter zum Wilseder Berg, Brocken, Fichtelberg, Großer Arber und schließlich auf die Zugspitze mit 2962 m.ü.NHN. An jedem dieser Orte zündet der Künstler Rauchpatronen und photographiert in schwarzweiß den sich entwickelnden Rauch, der sich zu Wolken formiert und schließlich auflöst. Für die Griffelkunst-Edition hat er die dabei entstandenen Photographien in farbige Heliogravüren umgesetzt. Obwohl jedem Punkt im Höhensystem eine bestimmte Farbe zugeordnet wird, spielt der spezifische, durch Rauch markierte Ort eine untergeordnete Rolle. Der reale Ortsbezug wird durch den Rauch sogar eher vor den Blicken des Betrachters verborgen und erscheint höchstens ganz im Hintergrund als Horizont oder Himmelsstück. Die Plätze bezeichnen vielmehr den physischen Ort, an dem Lachauer den performativen Akt der Vermessung durch das Entfachen des Rauches vornimmt, der zwar wissenschaftlich anmutet, durch die rein subjektive Farbauswahl und durch die absolute Flüchtigkeit des Mediums aber wieder in Frage gestellt wird.

Durch die Verwendung von Rauch kommt neben einem rituellen und mystischen Aspekt auch etwas Bedrohliches in die Bilder. So ist farbiger Rauch auch ganz aktuell ein in den Medien wiederkehrendes Motiv, sei es im Kontext von Kriegs- oder Anschlagsschauplätzen, Demonstrationen oder Fußballspielen. In diesem Zusammenhang wird Rauch oft auch als Platzhalter für etwas (noch) nicht Darstellbares gezeigt, das erst dann sichtbar wird, wenn sich der Rauch wieder verzogen hat und steht damit als Chiffre für besondere Aktualität. Bedrohliches im Schönen aufscheinen und Fremdes vertraut wirken lassen, ist kennzeichnend für die künstlerische Strategie Cyrill Lachauers.

Cyrill Lachauer, 1979 geboren in Rosenheim, lebt und arbeitet in Berlin und Los Angeles.

Studien der Regie und Ethnologie in München an der Hochschule für Fernsehen und Film, HFF und der Ludwig-Maximilians-Universität, sowie der Bildenden Kunst in Berlin an der Universität der Künste (UdK).
Verschiedene Preise und Stipendien, u.a. 4ter IBB Preis für Photographie, Berlin, Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds, Bonn, EHF 2010 Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin, und Villa Aurora Residenz, Los Angeles
Full Service, 2015 im Museum Villa Stuck in München ist seine erste museale Einzelausstellung, zu der ein Katalog in der Reihe Ricochet erschienen ist.

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