Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>

Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011

<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>

Drucke von Anja Tchepets entstehen

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>

Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis

<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>

In der Druckwerkstatt von Thomas Franke

Jenny Holzer

Jenny Holzer
Projekt-Reihe / 345./346. Wahl I./II. Quartal 2012
handgeschöpfte Bögen, 2-lagig gegautscht, mit Schablonen-Reservage-Technik

P7 Water board 0000090,  90,5 x 70 cm
P8 TOP SECRET 23,  90,5 x 70 cm
P9 TOP SECRET 24,  90,5 x 70 cm
P10 TOP SECRET 32,  90,5 x 70 cm
P11 These enhanced techniques,  90,5 x 70 cm
P12 Enhanced Techniques 3,  90,5 x 70 cm

Durch die extrem aufwendige Herstellungstechnik und die zu erwartende hohe Auflage, wird sich die Ausgabe der bestellten Blätter voraussichtlich bis mindestens Frühjahr 2013 hinziehen, wir bitten dafür schon jetzt um Verständnis! Aufgrund der Fragilität der Arbeiten werden alle Blätter und Serien direkt an die Mitglieder verschickt.

Drucker: Werkstatt für Papier, Gangolf Ulbricht, Berlin
Papierqualität: ca. 350 g/qm 2-lagig, schwarzer Faserstoff Blue Jeans-Hadern, weiße Baumwollfasern

»Water Boarding« – eine künstlerische Anklage von Jenny Holzer

von Dirk Dobke

Wir freuen uns sehr, dass wir für unsere noch neue Projekt-Reihe eine international renommierte amerikanische Konzept- und Medienkünstlerin gewinnen konnten. Jenny Holzer gilt mit ihren häufig politischen Texten auf LED-Schriftbändern als eine der wichtigsten Protagonistinnen des Neo- Conceptualism neben Brabara Kruger, Cindy Sherman oder Louise Lawler. Spätestens seit ihrer Beteiligung an der Biennale di Venezia 1990, wo sie als erste Frau die Vereinigten Staaten repräsentierte, haben ihre Arbeiten Weltruhm erlangt.

Jenny Holzer begann ihre künstlerische Laufbahn zunächst ganz klassisch mit Malerei und Graphik. 1976 begann sie verstärkt, Wörter als Gestaltungsmittel zu nutzen. Die Verbindung zur Schrift lag nahe, schließlich war sie seit 1980 auch als Schriftsetzerin tätig. Zudem hatte sie 1976 begonnen selbst Texte zu schreiben. Unter dem Titel Truisms (Wahrheiten) schuf sie 1977 eine Reihe von Aphorismen und Statements, die sie über alltägliche Trägermedien wie Poster, T-Shirts, in Telefonzellen oder auf Parkbänken veröffentlichte.
1982 präsentierte sie Truism auf den gigantischen Leuchtreklame-Tafeln am New Yorker Times Square. Dazu verwendete sie erstmals jene LED- Schriftbänder, die mittlerweile in der Kombination aus Schrift und Bewegung zu Jenny Holzers sicher eindringlichstem Ausdrucksmittel und zu ihrem Markenzeichen geworden sind. Ihre Installationen finden sich international in Museen wie der Hamburger Kunsthalle, dem Lenbachhaus in München, dem Museum Ludwig in Köln, dem Pariser Centre Pompidou, dem Museum of Contemporary Art in Chicago, dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York oder der Tate Gallery in London. Daneben findet man ihre Aphorismen auch in Parkbänke aus Granit gemeißelt oder in Bibliotheken und in Universitäten als fest installierte Kunst im öffentlichen Raum. Daneben spielen weiterhin Malerei, Graphik und Skulptur eine entscheidende Rolle in ihrer Arbeit.

Jenny Holzer nahm mehrfach an der Kasseler documenta teil und 1990 ehrte das New Yorker Guggenheim Museum die damals 40-jährige Künstlerin bereits mit einer umfangreichen Retrospektive ihres Werkes.
In Deutschland machte Jenny Holzer 1993 mit einem spektakulären Projekt für das Magazin der Süddeutschen Zeitung auf sich aufmerksam. Medienberichte über systematische Vergewaltigungen während des Jugoslawien-Krieges hatten ihr den Anstoß zu der Arbeit Lustmord gegeben. Sie konstruierte Sätze aus der vermeintlichen Perspektive eines Opfers, eines Täters und eines Beobachters und schrieb sie mit Tinte auf Menschenhaut. Die grausamen wie beklemmend intimen Sätze ließ sie daraufhin photographieren und drucken. Auf dem sonst ganz schwarz gehaltenen Titelblatt des Magazins klebte eine Karte mit den Zeilen: »Da, wo Frauen sterben, bin ich hellwach.« Die Druckfarbe für den Text dieser Karten war mit sechs Litern Blut, das bosnische und deutsche Frauen gespendet hatten, vermischt worden.

Für unsere Edition griff Jenny Holzer erneut einen aktuellen politischen Skandal auf. Aus den Medien war zu erfahren, dass die amerikanischen Soldaten während der Golfkriege die international geächtete, menschenverachtende Foltermethode des »Water Boardings« eingesetzt hatten. Dabei wird dem liegend gefesselten Gefangenen ein Tuch über das Gesicht gelegt, das Augen, Nase und Mund bedeckt. Darauf wird dann in der Folter fortwährend Wasser gegossen, so dass sich für das fixierte, bewegungsunfähige Opfer bald der panische Effekt einstellt, ihm drohe der Tod durch Ertrinken. Jenny Holzer verwendete für unsere Edition die freigegebenen, vergrößerten Originaldokumente der CIA, in denen diese Foltermethode aktenkundig wird. Die Textblöcke schwärzte sie und ließ nur jene Satzfragmente stehen, in denen der Begriff »Water Boarding« explizit genannt wird oder, subtiler, ließ nur die »Top Secret« Kennung der Dokumente lesbar.

In einer technisch extrem aufwendigen Methode wird jedes Motiv einzeln von Hand – und damit wiederum aus dem Wasser (!) – geschöpft. Die Motive werden also nicht gedruckt, sondern jeweils in Form geschöpft und sind damit Unikate. Jenny Holzer bestand ausdrücklich auf dieser komplizierten Herstellung, um die Bedeutung von Wasser in dieser Edition in den Vordergrund zu stellen. Gangolf Ulbricht ist Spezialist für handgeschöpfte Papiere und hat die Edition mit ihr zusammen für uns entwickelt. Kein Anderer könnte die Arbeitsweise, die zum Entstehen dieser eindrucksvollen Arbeiten führt und die wir bei unserem Besuch in der Werkstatt photografisch dokumentiert haben, besser beschreiben als er:

TOP SECRET – Die Griffelkunst-Edition mit Jenny Holzer

von Gangolf Ulbricht

Papier ist Träger von Information, stiftet die Grundlagen unseres Wissens, es ist Medium unserer geistigen Kultur und Verfassung und kann auch der Machtausübung dienen. In der Edition von Jenny Holzer wird die hochpolitische Aussage der Künstlerin durch den direkten Bezug zum Fertigungsprozess unterstrichen und verstärkt. Die Umsetzung erfolgt durch das Handschöpfen der Bogen: die geschwärzten Druckflächen in den Vorlagen sowie gedruckte Wörter und Zahlen werden durch schwarzen Faserstoff bzw. Papier erzeugt, nicht gedruckt, die Herstellung von Schwarzweiß- Kontrasten, das Grundprinzip unserer Schrift- und Druck-Tradition wird aufgehoben und somit hinterfragt. Technologisch geschieht dies durch das Handschöpfen eines schwarzen Grundbogens. Dieser wird abgelegt (abgegautscht) auf einen Wollfilz. In einer zweiten Bütte wird separat ein weißer Bogen geschöpft, auf dessen Schöpfform die geschwärzten Flächen des Originals, (welche für die Edition von Jenny Holzer proportional vergrößert wurde), abgeklebt sind. Der Faserstoff wird händisch entfernt (ausgekratzt), sodass ein weißer Bogen mit »Loch« entsteht. Dieser wird nass in nass auf den schwarzen Grundbogen abgedrückt (aufgegautscht). Es entsteht ein Bogen aus schwarz und weiß, ohne Kleben oder Kleister gefertigt. In einer dritten separaten Schöpfbütte befindet sich ein extrem fein aufbereiteter schwarzer Faserstoff, daraus werden mittels spezieller Schöpfformen die Wörter und Seitenzahlen geschöpft und in einem dritten Arbeitsgang auf die weiße Oberseite des Bogens aufgegautscht. Danach erfolgt die Entwässerung des feuchten Bogens in der Presse und abschließendes Trocknen der Bogen an der Luft. Der vierseitige Büttenrand und die zweilagig gegautschten Bogen, beides Merkmale, die auf den Prozess des Handschöpfens verweisen, sind am fertigen Kunstwerk ablesbar. Der verwendete Faserstoff ist holz- und säurefrei, die Aufbereitung erfolgt traditionell im Holländer, einer Mahlmaschine der Papiermacher. Hier wird der Faserstoff zusammen mit Wasser entsprechend der Qualität zwischen Messerwalzen gemahlen. Der schwarze Faserstoff ist aus gereinigten Jeanshadern (Lumpen) aufbereitet, welcher dann mit lichtechtem Spezialpigment in der Masse gefärbt wird. Der weiße Faserstoff ist aus weißen Baumwollfasern aufbereitet, beide Faserstoffe sind mit Calciumcarbonat abgepuffert und ph-neutral. Das Papier ist alterungsbeständig entsprechend deutscher und internationaler Standards.

P 7
P 8
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P 11
P 12

Jenny Holzer

1950 geboren in Gallipolis

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