Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>

Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>

In der Druckwerkstatt von Thomas Franke

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>

Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis

Stephan Baumkötter

E 423 ohne Titel, 2006
Farblithographie 54,5 x 42,0 cm

E 424 ohne Titel, 2006
Farblithographie 54,5 x 42,0 cm

Papierqualität: Zerkall Bütten 260 g/qm
Drucker: Felix Bauer, Köln

Im Rahmen eines Stipendiums der Josef und Anni Albers Stiftung in Connecticut, USA, erhielt Stephan Baumkötter im vergangenen Jahr die Gelegenheit, in ländlicher Abgeschiedenheit und in Auseinandersetzung mit der Kunst Josef Albers sein eigenes Werk weiterzuentwickeln. In dem Katalog Bethany Bottrop findet sich ein Großteil der entstandenen Arbeiten dokumentiert: Eine Gruppe von Zeichnungen, überwiegend pastellfarben und flächendeckend mit Linien und Schlieren versehen, die an die Ästhetik unserer Lithographie-Edition erinnert, mit der wir Baumkötter im Frühjahr 2004 zum ersten Mal vorgestellt haben, sowie ein neuer Zyklus mit mal lockeren, mal gebündelten Kreisformationen aus zitternden Linien in kräftigeren Farben. Zu dieser Gruppe bilden die beiden vorliegenden Lithographien das druckgraphische Pendant.

Ihren Entstehungsprozess beschreibt Jens Peter Koerver im Katalogtext wie folgt: „Das zylindrisch geformte Zeichengerät wird in einer nicht gänzlich gesteuerten Bewegung (ein Trudeln oder Taumeln des Stiftes) über das Papier gerollt oder gedreht. Diese Bewegung über die Kanten (mit ihren Abbrüchen und Unregelmäßigkeiten) oder das Abrollen der Kreide über ihre ganze Länge (mit wechselndem, ungleichmäßigem Druck) schließt von vorne herein beherrschte Linien oder homogene, scharf konturierte Flächen aus. Richtungsvorgaben der Hand werden durchkreuzt von Gegenimpulsen, Ausweichbewegungen, Störungen durch das Zeicheninstrument, was zu einer Unterminierung des kontrollierten Agierens führt. So prägt das Material mit seinen Eigenheiten den Prozess des Zeichnens, der Stift wirkt der zielgerichteten Hand erwünschtermaßen entgegen, führt sie und wird geführt.“
Bezugnehmend auf seine Malerei hat Stephan Baumkötter vor einigen Jahren seine Wahrnehmung der eigenen Bilder formuliert. Nach wie vor erscheint diese Aussage für die Auseinandersetzung mit seinem zeichnerischen, malerischen und druckgraphischen Werk hilfreich: „Mich interessiert als Betrachter, dass ich das Bild nicht zu Ende sehen kann, dass es mir keinen identifizierenden Blick erlaubt. Ich versuche Bilder zu malen, die diesen identifizierenden Blick nicht zulassen, die so in einem Zustand endloser Reflexion bleiben. Also im besten Fall eben Bilder, in denen mein Blick immer wieder verloren geht, aber auch, wo er immer wieder herausgeworfen wird, wo er immer wieder Neues entdecken kann, aber zu keiner Identifikation, keiner Objektbildung kommt. Dann wird es zum Bild, und das ist der einzige Grund für mich, Bilder zu malen.“ (in: Kunst und Kirche, 1/1999)
Wir freuen uns, mit den Farblithographien zwei aktuelle Arbeiten Baumkötters anbieten zu können, die auch eine sinnvolle Ergänzung seiner bereits edierten Serie darstellen.

B-REIHE, 314. WAHL, II. QUARTAL 2004
Farblithographien, 2004
36,0 x 27,5 cm

1. ohne Titel
2. ohne Titel
3. ohne Titel
4. ohne Titel
5. ohne Titel
6. ohne Titel

Papierqualität: Saunders Waterford, 200 g/qm
Drucker: Felix Bauer, Köln

Wer die seit Anfang der neunziger Jahre entstehenden Malereien Stephan Baumkötters betrachtet, macht die Erfahrung, dass diese Arbeiten sich auf eigentümliche Weise dem Sehen widersetzen, obwohl sie vom ersten Blick an als Bilder erkannt werden. Das Gleiche gilt für seine seit 1996 geschaffenen Zeichnungen und Lithographien. Sichtbar werden in den Arbeiten Töne, Valeurs, Verläufe, mitunter vage Formen und Lineamente. Die Farbigkeit der Malerei ist weitgehend be- stimmt durch kaum benennbare Zwischen- und Mischtöne außerhalb des vertrauten Spektrums. Nie ist alles auf einmal zu sehen, vielmehr setzt sich das Bild nach und nach aus gesehenen Fragmenten, Anhaltspunkten, flüchtigen Momenten, Einzelheiten und Erinnerungen zusammen.

In einem 1998 mit Katharina Winnekes geführten Gespräch beschreibt Stephan Baumkötter seine Wahrnehmung der eigenen Bilder, formuliert die bis heute gültige Intention seiner Arbeit: „Mich interessiert als Betrachter, dass ich das Bild nicht zu Ende sehen kann, dass es mir keinen identifizierenden Blick erlaubt. Ich versuche Bilder zu malen, die diesen identifizierenden Blick nicht zulassen, die so in einem Zustand endloser Reflexion bleiben. Also im besten Fall eben Bilder, in denen mein Blick immer wieder verloren geht, aber auch wo er immer wieder herausgeworfen wird, wo er immer wieder Neues entdecken kann, aber zu keiner Identifikation, keiner Objektbildung kommt. Dann wird es zum Bild, und das ist der einzige Grund für mich, Bilder zu malen.“ (In: Kunst und Kirche, 1/1999)
In seinen frühen Lithographien nutzt Stephan Baumkötter zunächst ausschließlich eine von ihm selbst entwickelte Technik. Er bearbeitet den Stein direkt mit der Handfläche, was im Druck zu zarten, ungreifbaren Spuren, zu wolkigen, diffusen Arealen führt. Dieses Verfahren ermöglicht es ihm, eine eigenständige druckgraphische Entsprechung zu seiner Malerei zu realisieren. Dagegen konzentriert sich eine im Jahr 2003 während eines Stipendiums in der Werkstatt für Steindruck in München entwickelte Folge mehrfarbiger Kreidelithographien ausschließlich auf umeinander kreisende, sich überlagernde Linien.

Die in diesem Jahr für die griffelkunst geschaffenen sechs vierfarbigen Lithographien führen erstmals beide Ansätze zusammen: So gibt es Zonen, die wie ein Farbhauch oder eine farbige Verschmutzung wirken, die wie beiläufig oder zufällig plazierte Flecken erscheinen. Konturlos weich gehen diese scheinbar leicht in das Papier eingeriebenen, an schwache, an anderen Stellen an deutliche Verfärbungen erinnernden Zonen in das Weiß des Papiers über. Verstreut, ungleichmäßig verteilt sind diese Schleier, Nebel. Das Auge springt, gleitet zwischen ihnen, sucht sie in Beziehung zu setzen. Manchmal sind sie durchzogen von linearen Verläufen. Gleich einer Spur folgt das Auge diesen Linien. Geht ihren Sprüngen und Perforationen nach, ihrem Ausbrechen, Taumeln und Trudeln, ihren ziellos und unvorhersehbar erscheinenden Bewegungen. Mitunter winden sie sich um sich selbst, verdichten sich zu lockeren Knäulen.
Alle diese graphischen Elemente und vagen Farbformen sind keineswegs gestisch-mitteilsame Setzungen, keinerlei Expression ist ihnen anzusehen, nichts Persönliches teilt sich in ihnen mit, obwohl ihre Bindung an einen Körper, seine Bewegungen offensichtlich ist. Am ehesten ließe sich von einer manuellen Mechanik des Arbeitens, einer individuellen und doch anonymen Handschrift sprechen, sollte die besondere Eigenart dieser Verläufe und Färbungen näher bezeichnet werden.
So absichtslos und willkürlich die Verteilung dieser Linien, Verdichtungen und Flecken zunächst erscheinen mag, sie erweist sich doch stets als gelungene, das Sehen überraschende, fordernde Komposition. Auf jedem der sechs Blätter lässt sie einen eigenständigen Ort entstehen, unterschieden durch Gewichtsverteilungen, Dominanzen, Fülle und Leere. Den Graphiken ist, in jeweils eigener Weise, „eine Art absichtsloser Genauigkeit“ eigen, die Stephan Baumkötter im bereits zitierten Gespräch als wichtiges Kriterium für seine Arbeit nennt. – Was diese Bilder sind, entsteht jeweils von Neuem, im Verlauf des Sehens, immer wieder anders.
Jens Peter Koerver

314 B1
314 B2
314 B3
314 B4
314 B5
314 B6
E 423
E 424

Stephan Baumkötter

1958 geboren in Münster

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