Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>

Jenny Holzer Edition entsteht

<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>

Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011

<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>

Jenny Holzer Edition entsteht

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014

<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>

Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis

Heike Kati Barath

A-Reihe / 358. Wahl II. Quartal 2015
Siebdrucke
50,0 x 35,0 cm

1. Ohne Titel
2. Ohne Titel
3. Ohne Titel
4. Ohne Titel
5. Ohne Titel
6. Ohne Titel
7. Ohne Titel
8. Ohne Titel
9. Ohne Titel

Papierqualität: 250 g/qm Fedrigoni Materica Gesso
Drucker: Gundolf Roy, Zülpich

Wer sind die denn?

von Annett Reckert

Heike Kati Barath steht für eine unmittelbare, starkfarbige Malerei im übergroßen Format. Ihre Bilder sind außergewöhnlich präsente Gegenüber; ihre oft frontal und appellativ angelegten Bildnisse von Mädchen, Jungen und Erwachsenen, von Zwitterwesen, Aliens und Monstern fordern das Publikum geradezu zum Duell heraus: Wir oder Ihr? Ich oder Du?, scheinen sie zu fragen. Sie polarisieren. Man hasst oder liebt diese Geschöpfe, die auch als überdimensionale Wandmalereien in situ-Realisierungen erfahren. Dann arbeitet Heike Kati Barath reliefartig mit Farbe, Bauschaum und Fugendichter. Ebenso gibt es Skulpturen aus ihrer Hand und von Anbeginn gehörten auch Zeichnung und Graphik zu ihrem medialen Spektrum.

Für die griffelkunst hat Heike Kati Barath neun Mehrfarbsiebdrucke geschaffen. Dabei greift jedes Blatt auf die Personage ihrer Gemälde zurück, und so gerät ihr die gesamte Reihe zu einer repräsentativen Gesandtschaft einer durchaus sympathischen, aber eben auch verschrobenen Population. Da ist eine kleine Blonde mit makkaronistracker Ponyfrisur, rechts und links störrisch von den Ohren durchpflügt. Spärlich in ihrem Hemdchen bekleidet blickt sie uns mit einem indifferenten Lächeln an. Grundverschieden ist sie von ihrer rothaarigen Altersgenossin, und dennoch weisen die weit auseinander stehenden kleinen Augen, die flachen Nasen und der schmale Mund unübersehbar auf die Barathsche Sippe hin. Das gilt auch für die Jungs aus der Neuner-Edition: jugendliche Halbstarke, die nicht ganz einfach zu nehmen sind. Auch sie fasst Heike Kati Barath in Brustbilder vor diffusem Hintergrund. Der eine vor niedrigem Horizont, die Arme eng an den Körper angelegt, senkt seinen Kopf, der in dem großen schwarzen Loch auf seinem T-Shirt ein beunruhigendes Pendant findet. Der andere, mit einer Kippe im Mundwinkel und strähnig-spillerigem Haar im Gesicht zieht sich in seinen schwarzen Kapuzenkokon zurück, und noch mehr die dubiose, verkniffene Gestalt mit verspiegelter Brille, die so zu einer seltsam deformierten Figuration wird.
Von je her wendet Heike Kati Barath Pubertierenden ihre besondere Aufmerksamkeit zu. Sie sind Geschöpfe, die uns Rätsel aufgeben. Misstrauen, Unsicherheit und Scham, eine latente Aggressivität und Unberechenbarkeit unterliegen ihrer Mimik und Gestik. Fern aller Klischees von kindlicher Unschuld und androgyner Vorbewusstheit interessiert sich Heike Kati Barath für die vibrierende Melange von Gut und Böse in jedem Menschen, ob groß oder klein, für den schmalen Grat, auf dem wir täglich tanzen, für Kippmomente in vielen Situationen und in nahezu jeder Kommunikation.

Neben Beobachtungen des Alltags sind für Heike Kati Barath auch die Geschichte der Malerei und nicht zuletzt Film und Literatur – von Goethes Faust bis zu Comic, Märchen und Thriller – eine reiche Quelle. In dieser Weise genährt, gelangen auch eine Reihe von Mischwesen in ihr Panoptikum, allen voran der Yeti, jenes sagenumwobene ganzkörperbehaarte Ungetüm. Erscheint er oft als knuffiger und freundlicher Kumpan, tritt er hier mit seinen verschränkten Armen und verstörend roten Augen als ein äußerst skeptischer Vertreter seiner Art auf. Und kraus auf Krawall gebürstet darf dann auch ein Hase nicht fehlen – eine typische Assistenzfigur in Heike Kati Baraths Bildwelt, ein Dämon, der in vielen Varianten auftauchen kann. Und wer nun auch den Holzkopf und die Blume in seine Betrachtungen einbezieht, der mag in dieser bizarren Griffelkunst-Delegation einen Eskortservice der eigenen wechselnden Befindlichkeiten erkennen. Wer bist Du denn?, fragt dann ein jedes Blatt bei jedem Blick zurück – um sich damit bestens als ein treuer Begleiter im Auf und Ab des Alltäglichen zu empfehlen.

Heike Kati Barath

Heike Kati Barath wird 1966 in Vaihingen/Enz geboren. Sie studiert von 1990 bis 1991 an der Koninklijke Academie voor Schone Kunsten in Gent. Danach bis 1998 an der Kunstakademie Münster. Seit 2013 hat sie eine Professur für Malerei an der Hochschule für Künste in Bremen. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Einzelausstellungen
2015 Betwixt and between, mit Koes Staassen, Galerie Cokkie Snoei, Rotterdam
2014 Du auch hier, Von der Heydt-Kunsthalle Wuppertal-Barmen
Nun gut, wer bist du denn?, Städtische Galerie Delmenhorst (K)
2013 Der Himmel drüber bleibt wunderbar, Kunstverein Münsterland, Coesfeld
2012 I love Pubertät, mit Joachim Weischer, Kunstverein Schwerin

Ausstellungsbeteiligungen
2015 PC/Political correctness?, Kunsthalle Palazzo, Liestal, Schweiz
2014 Das Buch, eine Stubenhocker Ausstellung, Galerie Gundolf Roy, Zülpich (K)

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